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Bulgarien: Entspannung der Handelsbilanz bei Einkommensschrumpfung um 5 %

Die wirtschaftliche Schrumpfung des Inlandsprodukts Bulgariens hat zu einer Abwertung der Währung und zu einem deutlichen Rückgang der Importe geführt. Dadurch konnte sich die sonst stets negative Handelsbilanz erholen. Diese Einsparungen gingen freilich auf Kosten des Bruttoinlandsprodukts pro Kopf, welches 2009 auf €-Basis um ca. 5 % sank.

Nach dem lauten Start einer ungewöhnlich pragmatischen und unerfahrenen neuen konservativen Regierung  und während des gerade begonnenen Amtsenthebungs-verfahrens gegen den ehemals sozialistischen Staatspräsidenten gilt diese wirtschaftliche Gesundung trotz der Belastungen als gute Nachricht. Von dem wirtschaftlichen Belebungsprogramm der EU, welches im Frühjahr in Bulgarien anläuft, kann alleine keine Lösung erwartet werden.

Die Grafik zeigt die Entwicklung der bulgarischen Wertschöpfung pro Kopf in den letzten sechs Jahren.


Moldau: massive EU-Finanzierung und Autocluster Balti

Die marktwirtschaftlich-liberale Regierung in Chisinau hat in Brüssel den wohl entscheidenden Rückenwind für einen Aufstieg des Landes in Europa erhalten. In tagelangen Verhandlungen hatte Vlad Filat, der erst seit Herbst regierende Ministerpräsident der Drei-Parteien-Regierung, fast zwei Milliarden € für Maßnahmen der Infrastruktur und Wirtschaftsförderung zugesagt bekommen. Diese bis 2013 zur Verfügung stehenden Mittel sind zwar zu ¾ Darlehen. Wegen ihrer konzentrierten Inanspruchnahme und günstigen Finanzierung sowie den ergänzenden ¼ nicht rückzahlbaren Subventionen ist das Paket aber sensationell.

Im moldauischen Parlament (vgl. Foto) ist nun aber auch das Gesetz über die Freihandelszone in Balti, der größten Stadt des Nordens, verabschiedet worden. Die historisch eher russischsprachig besiedelte Stadt war zu Zeiten der Sowjetunion mit Fabriken für die Herstellung von Nahrungsmitteln und Getränken stark industrialisiert worden. Nach der Unabhängigkeit in 1989 blieb die meist kommunistisch regierte Stadt Balti bis heute eine Domäne der Traditionspflege mit nachhinkenden Erfolgen in der Privatisierung und der ausländischen Direktinvestition.

Im Winter 2008 hatte eine deutsche Delegation von Architekten und Planern unter Förderung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) und Leitung von Spelleken Assoc. die Stadt offiziell besucht. Dabei waren Projekte der Energieeffizienz im Wohnungsbau und der Errichtung eines Wassersportzentrums angesprochen worden, aus denen mangels eigener Budgets bisher nicht wurde.

Das neue Autocluster ist daher eine gute Nachricht für die wirtschaftliche Belebung. Auf 12 ha sollen 30 km vom noch verschlafenen internationalen Flughafen der Stadt bis zu 7 000 neue Arbeitsplätze entstehen. In den neunziger Jahren war Knauf mit einem großen Gipswerk und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts Dräxlmaier mit einem Kabelwerk Pioniere der Reindustrialisierung gewesen.

Aufgrund der nun offiziellen Freihandelszone möchte Dräxlmaier, großer deutscher Automobilzulieferer mit aggressiven Kostenzielen in Südosteuropa, weitere 25 Mill. € in Moldau investieren. Diese Kapazitäten werden teilweise mittelfristig in EU-Ländern abgebaut, vor allem in Rumänien.

 

Rumänien: Schengenbeitritt schon 2011

Rumänien verfolgt akribisch das Ziel, dem Schengenraum bis im März 2011 beizutreten. Das Schengensystem beinhaltet die umfassende Koordination der Ein- und Ausreisedaten zum Zwecke der Erteilung eines einheitlichen Reise- und Aufenthaltstitels für Touristen und Geschäftsreisende.  Bis dahin müssten über 400 Mill. €, die dafür aus europäischen Fonds zur Verfügung stehen, absorbiert werden. Hinzu kommt der Beitrag Rumäniens zur Schaffung des Integrierten Grenzsicherheitssystems in Höhe von 440 Mill. €. Innenminister Vasile Blaga (Foto), einer der einflussreichsten Persönlichkeiten des Landes, sieht den Schengenbeitritt als wichtigsten Meilenstein in der Vertiefung der EU-Integration. 

Dacias gespannt erwarteter Duster feierte in Genf Weltpremiere. Der wohl günstigste Geländewagen der Welt wird in Rumänien (4x2-Version) schon ab 10500 € zu haben sein, ab 12 300 € gibt es den Duster als Benziner mit Allradantrieb. Für die Entwicklung des neuen Modells hat Dacia 290 Millionen € investiert, noch einmal 70 Millionen wurden in das Stammwerk in Pitesti / Mioveni gesteckt, in dem der Wagen hergestellt werden soll. Die Markteinführung ist im April 2010 auf mehreren Kontinenten geplant, insbesondere in Rumänien wird ein Rekordabsatz erwartet.

Die Geschäftführer rumänischer Unternehmen erwarten bis im Mai 2010 eine relative Stabilität in der verarbeitenden Industrie, einen leichten Rückgang im Dienstleistungssektor und weiter schwere Zeiten für die Bauwirtschaft und den Einzelhandel. Das ergab die aktuelle Konjunkturumfrage des Nationalen Instituts für Statistik (INS). Die Bauwirtschaft würde bis Mai sowohl einen Rückgang des Umsatzes (minus 22 %) wie auch des Auftragbestands (ebenfalls minus 22 %) verzeichnen,  auch die Zahl der Beschäftigten im Baugewerbe könnte um bis zu 29 % schrumpfen.

Aus Sicht von Spelleken Assoc. Romania S.R.L., Bukarest, ist eine Stabilisierung auf breiter Front in der Bauwirtschaft erst im zweiten Halbjahr 2010 möglich bzw. zu erwarten.

 

Türkei: Belebung der Wirtschaft und Privatisierung trotz innenpolitischer Spannungen

Der medienwirksame Streik der Beschäftigten des ehemaligen staatlichen Monopolbetriebs für Alkohol und Tabakwaren (TEKEL) gegen Entlassungen und Sozialabbau gewinnt immer stärkeren Symbolcharakter. Die anhaltenden Spannungen zwischen Regierung und Militär beeinträchtigen die Finanzmärkte in der Türkei. Auf die jüngste Verhaftungswelle reagierte die Börse mit einem Kursverfall von über 7 % in einer Woche. Auch die türkische Lira verlor an Wert gegenüber dem US-Dollar. Die internationalen Ratingagenturen zeigten sich beunruhigt und warnten vor einem Stabilitätsverlust. Barclays zufolge durchläuft die Türkei derzeit die schwerste innenpolitische Krise seit dem 2008 gegen die Regierungspartei angestrengten Verbotsverfahren. Es bestehe die Möglichkeit vorgezogener Wahlen, was zu einer noch stärkeren Verunsicherung der Märkte führen könne.

Im Dezember 2009 hat der türkische Industrieproduktionsindex aber einen neuen Rekordzuwachs erzielt. Wie das Staatliche Statistikinstitut mitteilte, war gegenüber dem Vormonat ein Anstieg um 8,7 % auf 117,1 Punkte zu verzeichnen. Damit liegt der Index 25,2 % über dem Wert vom Dezember 2008, als er um 17,8 % eingebrochen war, und noch über dem Vorkrisenwert aus dem Dezember 2007 (113,8). Für das Gesamtjahr 2009 steht zwar unter dem Strich ein Minus von 9,6 %; nach einer 14 Monate währenden Talfahrt ist jedoch seit Oktober wieder ein Aufwärtstrend zu beobachten (Oktober +6,5 %, November-2,2%).

Gleichzeitig schreitet die Privatisierung des Energiesektors rasch voran. Bei der jüngsten Ausschreibung der staatlichen Privatisierungsbehörde wurden in Ankara die Stromverteilungsrechte für vier Regionen des Landes meistbietend versteigert. Zunächst sicherte sich die Firma AKSA nach zähem Ringen für rund 70 Mill. € das Gebiet der Van Gölü Elektrik. Dies umfasst die östlichen Provinzen Van, Bitlis, Hakkari und Mus mit 402.976 Stromkunden und einem Nettostromverbrauch (2008) von 1.137.226 MW. Die Verluste bei der Übertragung sowie durch unbefugte Nutzung liegen hier bei immensen 55,9 %. Unser Foto zeigt das Geschäftsviertel Levent in Istanbul.

 

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